Das autonome Fahren

Eines der spannendsten Fragen unserer heutigen Zeit und noch verstärkter in der kommenden Zeit ist die Frage nach der Ethik selbstfahrender Autos. In kommender Zukunft wird autonomes Fahren zum Standard gehören, doch bevor das passiert gilt es eine hochgradig heikle Frage zu beantworten, die buchstäblich über Leben und Tod entscheiden wird. Diese Frage der Moralethik ist eine der Aktuellsten und Signifikantesten derzeit.

In diesem Text werde ich sowohl erklären, was genau mit diesem Gedankenexperiment zu tun hat und verschiedene Ansichten benennen, als auch die Technik und die unterschiedlichen Stufen aufzeigen und erklären. Beginnen werde ich mit den technischen Aspekten.

Technik & Begriffserklärung

Autonomes Fahren ist die Fortbewegung mit Fahrzeugen, die sich ohne dem Eingreifen eines Fahrers fortbewegt. Es fährt also selbstständig.

Es ist eine generationenübergreifende Vision der Menschheit, in der sich die Menschen „von Zauberhand“ fortbewegen. Was damals noch als Science-Fiction abgestempelt wurde ist mittlerweile Realität und verbessert sich fortwährend weiter. Bereits 2035 sollen teil- und vollautomatisierte Fahrzeuge zwischen 20 und 35 % der globalen Fahrzeugproduktion ausmachen.

Die Vorteile dessen sind immens.

-Die Zeit, die normalerweise mit der Konzentration und Ausübung des Fahrens verwendet wurde ist nutzbar für Filme, Bücher oder andere Zeitvertreibe.

-Der Komfort wird erhöht, da der Fokus auf Gemütlichkeit gelegt werden kann

-Der daraus resultierende optimierte Verkehrsfluss führt zu geringerem CO2-Ausstoß und weniger Umweltbelastung

-Da die allermeisten Verkehrsunfälle aufgrund menschlichen Fehlverhaltens passieren kann die von körperlichen und emotionalen Ablenkungen befreite künstliche Intelligenz dafür sorgen, dass weniger Unfälle geschehen. 2018 gab es in Deutschland insgesamt 2 600 000 erfasste Verkehrsunfälle, 396 000 Verletzte und 3 275 Verkehrstode. Rekurrierend durch Alkohol am Steuer, Konzentrationsschwächen und andere eigentlich zu vermeidende Gründe.

– Durch den optimierten Verkehrsfluss nimmt die Effizienz und somit die Geschwindigkeit zu. Keine Staus mehr, keine langen Wartezeiten an Ampeln und generell weniger Stop and Go Verkehr.

-Weniger Unfälle = Weniger Kosten

Autonomiestufen

Stufe 0: Selbstfahrer, der Fahrer übernimmt die gesamte Kontrolle durchgehend

Stufe 1: Fahrerassistenz, Bestimmte Assistenzsysteme wie Abstandsregeltempomaten helfen bei der Fahrzeugbedienung

Stufe 2: Teilautomatisierung, Funktionen wie automatisches Einparken, Spurhalten, Beschleunigen und Abbremsen wird vom Assistenzsystem übernommen

Stufe 3: Bedingungsautomatisierung, Der Fahrer muss das System nicht dauerhaft überwachen und kann sich anderen Dingen zuwenden, gelegentlich muss er dem Fahrzeug seine Aufmerksamkeit signalisieren, sonst Warnsignal. Das Fahrzeug fährt von alleine mit allen Funktionen. Derzeit wird daraufhin gearbeitet, diese Autonomiestufe gesetzlich zuzulassen

Stufe 4: Hochautomatisierung, Die Führung kann dauerhaft dem System überlassen werden. Bei Bedarf kann der Fahrer entscheiden, ob er die Führung wieder übernehmen will, beispielsweise bei nicht bewältigbaren Fahraufgaben oder technischen Problemen

Stufe 5: Vollautomatisierung, Kein Fahrer erforderlich. Es muss nur noch das Ziel festgelegt werden. Lenkrad und Pedale wird somit obsolet

Bildergebnis für Autonomiestufen (Level)

Ausstattung von automatisierten Fahrzeugen

Ein autonomes Fahrzeug braucht hat viele Anforderungen, die gewährleistet werden müssen. Der aktuelle Audi a8 hat beispielsweise allein für den Staupiloten , der bis 60 Km/ H nach Autonomielevel 3 fahren kann hat er 24 Sensorsysteme mit fünf Radarsensoren und sechs Kameras. Für die Datenverarbeitung ist ein Hochleistungsrechner zu stelle, sowie dauerhaftem Empfang mit GPS und dem Internet (ggfs.) Dennoch kann er noch nicht selbstständig komplexe Fahrmanöver durchführen und besitzt für den Stauassistenten keine Erlaubnis in der EU

Ein anderes Beispiel ist Tesla, Der selbsternannte Pionier des autonomen Fahrens hat ein breites Spektrum an Ausstattung. 8 Kameras gewähren eine 360° Rundumüberwachung mit bis zu 250 M Entfernung. Ergänzt wird das ganze von 12 Ultraschallsensoren. Der Bordcomputer dirigiert das neurale Netz aus Bild-Ultraschall- und Radarsignal-Verarbeitungssoftware.

Herausforderungen

Es gelten noch viele Herausforderungen zu meistern, die sich auf dem Weg zu Stufe 5 stellen und bedarf stetiger Entwicklung, sowohl im technischen als auch politischen Bereich, um selbstfahrende Autos für die breite Masse zugänglich und benutzbar zu machen.

Probleme wie unterschiedliche Verkehrswege, spontane Wetteränderungen, Straßenüberquerungen von Passanten und Tieren, überholenden Autos, fehlende Mittelleitplanken und, auftauchende Hindernisse und viele weitere müssen überwunden werden, die derzeit noch mäßige Erfolge in der Problemlösung aufweisen. Selbstfahrende Autos müssen aber 100% oder zumindest 99.9 % Sicherheit garantieren und bis sie das schaffen sollten sie nicht ohne Aufsicht zugelassen und eingesetzt werden.

Philosophische Betrachtungsweise & Trolley-Problem

Mit dem Aufkommen selbstfahrender Autos konnte auch ein altbekanntes philosophisches Moralexperiement in Aufmerksamkeit baden. Das „Trolley Problem“. 1930 erstmals von Karl Engisch, einem deutschen Rechtswissenschaftler beschrieben beschäftigt sich mit dem ethischen Problem der Entscheidung und den daraus resultierenden Folgen.

Die bekannteste Fassung ist die von Hans Welzel (1951), der es folgendermaßen beschrieb.

Ein Güterzug droht wegen falscher Weichenstellung auf einen vollbesetzten stehenden Personenzug aufzufahren. Ein Weichensteller erkennt die Gefahr und leitet den Güterzug auf ein Nebengleis um, so dass dieser in eine Gruppe von Gleisarbeitern rast, die alle zu Tode kommen. Wie ist die Strafbarkeit des Weichenstellers zu beurteilen

Eine ähnliche Fassung aus dem Jahre 1967 beschrieb es so.

Eine Straßenbahn ist außer Kontrolle geraten und droht, fünf Personen zu überrollen. Durch Umstellen einer Weiche kann die Straßenbahn auf ein anderes Gleis umgeleitet werden. Unglücklicherweise befindet sich dort eine weitere Person. Darf (durch Umlegen der Weiche) der Tod einer Person in Kauf genommen werden, um das Leben von fünf Personen zu retten?

Egal ob ein genialer Chirurg, der durch einen jungen gesunden Durchreisenden Menschen auf Routineuntersuchung, 5 todkranke Patienten retten kann oder den „fetten Mann“, der von einer Brücke gestürzt wird, um eine außer Kontrolle geratene Straßenbahn vor dem Absturz von einer Brücke zu retten oder das gekaperte Flugzeug, welches ohne dem Abschuss dessen in ein Gebäude mit der 10-fachen Anzahl an Menschen crashen würde,  Theorie ist im Grunde immer Ähnlich. Hat der Mensch das Recht über Leben und Tod zu entscheiden? Und wenn ja, hat eine rein rationaler programmierte Algorithmus dieses Recht dann auch?

Es gibt viele subjektive Gründe, die so eine Entscheidung beeinflussen kann:

  • Gefühle für die Opfer
  • Risikovermeidung
  • Entscheidungsangst
  • Vermeidung durch Ungewissheit
  • Menschliche Emotionalität
  • Generelle Subjektivität, wie Erfahrung, Standpunkt, Einschätzung etc.

Die zu fällende Entscheidung lässt so viele unterschiedliche Betrachtungen zu, die immer andere Resultate hervorbringt.

Einzuteilen sind sie in zwei Theorie und Anschauungen. Den Utilitarismus und die Deontologie.

Der Utilitarismus beschreibt im Kurzen den größeren Nutzen für die Gesellschaft und die Deontologie ist das Erforderliche, welches seine Handlung durch Pflicht begründet.

Der Utilitarismus ist in enorm viele Sparten aufteilbar und lässt sich anhand von ein paar Sätzen nicht beschreiben, da er zu viele unterschiedliche Anschauungen hat.

Im Grunde würde er in den meisten Fällen 5 Menschenleben retten und das eine unschuldige opfern, begründet durch den höheren Nutzen. Jedoch ändert sich die Anschauung, wenn das eine Opfer einen höheren Wert für die Gesellschaft hat. Radikal betrachtet als Beispiel 5 Obdachlose und ein Hirnchirurg. Dort muss man wiederum entscheiden zwischen der Definition für den Wert eines menschlichen Lebens und des Nutzens für die Gesellschaft.

Hier ist ein Erklärvideo, welches zusammengefasst den Utilitarismus zu erklären versucht. Wobei je nach Utilitarismus zwischen unterschiedlichen Prinzipien, beispielsweise von Jeremy Bentham oder Stuart Mill und anderen Betrachtern zu unterscheiden ist.

Angewendet an autonomes Fahren

Sollte ein selbstfahrendes Auto über Leben und Tod entscheiden dürfen?

Die Frage ist wird eine der schwerwiegendsten für die Zukunft sein und essentiell für autonomes Fahren. Unter welchen Voraussetzungen sollte das Auto entscheiden? Hier ein paar aufgezählt unter folgendem Gedankenexperiment

Bildergebnis für trolley problem autonomes fahren
http://moralmachine.mit.edu/

-Gesundheit der Person im Auto

-Höhe des materiellen Schadens

-Anzahl der verletzten Personen

-Geschlecht der Personen

-Alter

-Gesundheit

-Beruf und Rang in der Gesellschaft

-Kultur

-Anschauung

-Einhaltung des Gesetzes (Beispiel Ampel rot oder grün beim Straße überqueren des Passanten)

-Beste Überlebenschance

-Wahrscheinlichkeit des zukünftigen Werdegangs der betroffenen Personen

-Erfahrung und Geschichte

-Schwangerschaft

-Einkommen

-Gemeinnützigkeit

-Empathie und sozialer Wert

-Freundlichkeit

-Art des Unfalls

Und viele weitere Punkte die beachtet werden müssen. Oder eben nicht. Je nach wie man sich entscheidet, autonom fahrende künstliche Intelligenzen zu programmieren.

Sollten wirklich spezifische Punkte wie Alter oder Geschlecht ein Entscheidungsfaktor sein und die Tötung oder das Überleben der auserwählten Person rechtfertigen? Darf der gesellschaftliche Nutzen eine Rolle spielen? Wird jeder Mensch als gleich bewertet, wie es seit der Unabhängigkeitserklärung der vereinigten Staaten eigentlich sein sollte… oder gibt es doch gewisse Unterschiede zwischen einzelnen Menschen. Darf eine Angela Merkel, gegenüber eines aus Kriegsgründen geflüchteten Asylbewerber bevorteilt werden?

Oder sollte man grundlegend entscheiden, dass das selbstfahrende Auto immer das Leben des Außenstehenden im Blick haben muss und im Notfall bei jedem Szenario den Passagier im Auto „opfert“? Wie viele Menschen würden freiwillig so selbstlos handeln und ihr Leben für das von beispielsweise 3 Senioren eintauschen

Es wird, die Zeit kommen in der diese Frage beantwortet werden muss und es ist schon jetzt garantiert, dass sie die moralische Zustimmung von allen bekommen kann. Es wird immer Menschen anderer Betrachtung in dieser Frage geben und doch muss eine Entscheidung gefällt werden, die von dem Großteil der Menschen ethisch vertretbar sein muss.

Die Frage der Schuldzuweisung

Ein anderes Problem ist die Schuldzuweisung. Kann man einen Algorithmus bestrafen und verurteilen? Muss der Programmierer oder die Firma der Software zur Rechenschaft gezogen werden oder ist doch der Passagier im Wagen der Schuldige.

Bei den Azteken gab es ein Opferungsritual, welches 10 Stiere in einen Kreis stellt, während die Zuschauer dieses Spektakels darauf warten, dass einer der Stiere in die Mitte geht, um sich die attraktiven Kräuter zu genehmigen. Der Erste im Kreis wird anschließend in getötet, in Stücke geschnitten, gekocht, gewürzt und anschließend in Huldigung einer Gottheit verzehrt. Daraufhin wird traditionell die Frage der Schuld diskutiert. War es der Henker, der Schuld hatte oder die Köchin. War es das Beil, das zuschlug oder der Hersteller dieses. War es der Stier oder die Verspeiser seiner, die dafür haftbar gemacht werden sollten?

Sollten wir einem Objekt Schuld zuweisen und wie beantworten wir diese schwierige Frage der Haftbarkeit?

Die kommende Zukunft des autonomen Fahrens wird zahlreiche wichtige Fragen mit sich bringen, die zu beantworten sind. Wie sie beantwortet werden ist eine schwierige Frage der wir uns bereits jetzt stellen müssen.

Hier habe ich noch einen Link, der euch selbst zum Entscheider macht mit anschließender Auswertung und Statistik, außerdem ein sehr zu empfehlenden Video, welches das Trolley- Problem noch einmal zusammenfasst und anschaulich darstellt. Moral Machine

Ein Kommentar zu „Das autonome Fahren

Gib deinen ab

  1. wer sagt eigentlich,dass es so kommen muss? unausweichlich! ist dass von der Evolution so vorgesehen. Oder wird uns das von einer Industrie eingeredet die daran interessiert ist,dass wir immer unselbstständiger werden und der Technik immer ausgelieferter?

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