Der Transhumanismus

Für die einen die nächste Evolutionsstufe der Menschheit, für die anderen eine dystopische Abnormalität. Der Transhumanismus hat wie viele andere Technologien den Sprung vom Fiktionalen ins Reale geschafft und ist seitdem ein fester Bestandteil eines konkreten Wissenschaftsbereich der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Mit der Symbiose aus Biotechnologie und Robotik wollen die Menschen das unmögliche schaffen, das Surreale. Eine Verschmelzung von Mensch und Maschine. Die Manifestation Nietzsches Übermensch. Wie sieht diese Fusion aus und wie kann sie stattfinden? Was sind die großen Vorteile dessen? Und wie ist es aus ethischer Sicht zu handhaben? Mehr in diesem Text.

Die Verschmelzung von Biologie und Technik

Der Mensch hat sich in den letzten Tausend Jahren nur dezent weiterentwickelt. Evolution ist ein langwieriger Prozess und entwickelt sich nicht einfach über Nacht. In unserem Zeitalter, mit den bevorstehenden Aussichten, ist die Entwicklung jedoch viel weniger als eine Nacht, bezogen auf das Bestehen der Erde und dem nur sehr kurzen Zeitabschnitt des Anthropozän. Jedoch entwickelt sich die Technik so exponentiell weiter, dass in den letzten 30 Jahren astronomische Fortschritte erreicht wurden. Vernor Vinge, der in einem anderen Artikel bereits erwähnte Mathematiker, Autor und selbsternannte Transhumanist sagte in seinem Essay „The Coming Technological Singularity“ aus dem Jahre 1993 folgendes:

„Innerhalb von 30 Jahren werden wir die Technologie für superhumane Intelligenz besitzen. Kurz danach wird die Ära des Menschen enden.“

Der Begriff Transhumanismus lässt sich in zwei Worte spalten. Trans, was so viel wie „über“ heißt und Human, was „Mensch“ bedeutet. Vielleicht ist es vielen noch nicht aufgefallen, doch der Transhumanismus ist nicht erst seit ein paar Jahren teil unserer Kultur. Es fing schon vor vielen Jahren mit Anti Aging Maßnahmen, Geschlechtsumwandlungen, gentechnischen Eingriffen ins humane Erbgut und „Designer-Babys“ an. Mit der angestrebten Technologie des „Mind-Upload“, Implantierten Chips und gezielte Verbesserungen der kognitiven und körperlichen Leistungsfähigkeit wird bereits das nächste Level dessen erreicht.

Einer der Gründer der Methusalah Foundation, (benannt nach dem Urvater der Sintflut „Methusalem“, der nach der Bibel 969 Jahre alt wurde), ist sich sicher, dass man den biologischen Alterungsprozess in zwei bis drei Jahrzehnten stoppen kann. „Wir haben bereits zwei von drei Träumen der Alchemisten realisiert: Transmutation von Elementen und das Fliegen. Als drittes ist die Unsterblichkeit dran.“  Zitat des Philosophen Max More, der sich der baldigen Erschaffung eines „Stein der Weisen“ sicher ist.

Und so geht die biotechnische Mutation des Körpers weiter. Mit künstlich erschaffenen Organen, Nanotechnologie, Genomik, künstlicher Intelligenz und der Kybernetik wird der Mensch zu einem Mischwesen ausgewechselt, einem Cyborg.

Mehr über das Projekt der Unsterblichkeit

Mehr über das Projekt „Mind-Uploading“

Die Vorteile & Ethik

Die Befürworter der transhumanistischen Ideologie, Gläubige der darwinschen Evolutionstheorie sind von der Vorstellung einer transhumanen Welt begeistert. Sie sind der Überzeugung, dass der Transhumanismus die Welt in eine Utopie verwandeln kann. Klüger, Glücklicher, Stärker, Langlebiger und dauerhaft gesund. Kriege sind non-existent, die Nahrung reicht allen aus und es gibt ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Maschine. Die Menschen leben teilweise sogar auf virtueller Ebene ( mehr hier) und alle Menschen und Transhumane Wesen leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Was nie geschieht, nach den Visionen der Transhumanisten. Zumindest für die Cyborgs!

Die „Schöne neue Welt“ klingt erst einmal utopisch, doch wie sieht das im genauen aus? Kann es wirklich so schön sein? Julian Huxley, Bruder von Aldous Huxley ( Autor des Buches „Schöne neue Welt“) benutzte den Begriff erstmals unter einem anderen Begriff, der vielen aus der NS- Zeit noch sehr vertraut erscheinen mag. Die Eugenetik. Damit ist die Züchtung besserer Menschen gemeint. Durch Zwangssterilisation, erzwungene Abtreibung und der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ wurde die Idee von den Nationalsozialisten zu einer Tatsache zu ändern versucht. Die Selektion der Rasse, ist schon seit Tausenden Jahren Bestandteil menschlicher Ideologien und der Transhumanismus bildet da keine Ausnahme. Viel eher gliedert er sich in genau in die Kategorie ein und möchte genau das erreichen. Den „Übermenschen“

Der Übermensch

Vielen dürfte der Begriff geprägt von Friedrich Nietzsche etwas sagen, doch die Idee des Übermenschen ist schon seit deutlich längerer Zeit vorhanden. Erstmals durch Dionysios von Halikarnassos, einem antiken griechischen Schriftsteller im 1. Jahrhundert als „hyperanthropos“ verwendet, bis zur zentralen Rolle in Dantes „Göttliche Komödie“, weiter zu Dostojewskis „Schuld und Sühne“ hat der Übermensch eine lange Geschichte hinter sich.

Friedrich Nietzsche war der Auffassung, dass es die Aufgabe der Menschen sei, einen Typus hervorzubringen, der höher entwickelt ist als die des Menschen und genau diese Aufgabe wird spätestens seit den 90er- Jahren finanziell tatkräftig unterstützt. Für das Human-Enhancement- Projekt hat Google im Jahr 2013 allein 8 Milliarden US-Dollar bereitgestellt aus den insgesamt geplanten 300 Milliarden, die es werden sollen.

Die Gefahren des Transhumanismus

Während Transhumanisten die kommende Technik durch eine rosarote Brille zu betrachten scheinen, ist die Realität leider weit von der utopischen und friedvollen, sicheren Gesellschaft entfernt.

Wie sieht es mit dem Missbrauch von Staat und Konzernen aus? Cyber-Hacking ist bereits jetzt die gefährlichste und effektivste Form des Terrorismus und sollten wir wirklich möglich machen, dass wir selbst gehackt werden können? Wer garantiert, dass Mind-Uploading oder ein verbesserter Geist durch Chips und Nanobots vollkommen sicher ist?

Was wäre, wenn wir die „besten“ Eigenschaften von Mensch und Maschine kombinieren? Wir nehmen das menschliche Bewusstsein und pflanzen es in einen Roboter ein, der jede menschliche Fähigkeit um ein Vielfaches überragt. Künstliche Intelligenz wird sich eventuell an die asimovschen Gesetze (1. Niemals Menschen verletzten 2. Immer Menschen gehorchen 3. Eigene Existenz schützen) halten, wenn es konkret danach programmiert wird. Doch wenn ein menschliches Bewusstsein über Recht und Unrecht entscheiden kann? Dann ist keine Sicherheit mehr garantiert. Diese Supermacht könnte die Welt unterwerfen und alle auf Kohlenstoffbasis basierende Wesen eliminieren, um die darwinsche Evolutionstheorie weiter zu führen. „Survival of the fittest“

So ist der Transhumanismus, der von vielen euphorisch erwartet wird vor allem eine enorme Gefahr für die menschliche Existenz. Viele Vorteile klingen am Anfang sensationell und positiv futuristisch, doch man sollte sich nicht von den „positiven“ Auswirkungen blenden lassen und die vielen potentiellen Gefahren ernst nehmen.

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