Die Automatisierung der Arbeit

Der gesellschaftliche Wandel beginnt

In was für stürmischen Zeiten wir doch leben. Wir befinden uns gerade unmittelbar im Umbruch von so vielem, was wir noch gar nicht in Worte fassen können. Das Voranschreiten der künstlichen Intelligenz wird unser Leben umfassend ändern. Wir leben seit über 100 Jahren mit dem gleichen Gedanken zum Thema Arbeit und der Definition eines erfolgreichen Lebens im gesellschaftlichen Konsens. Darum soll es in diesem Beitrag gehen. Über die Frage, inwiefern die Revolution des Arbeitsmarktes eine Revolution für unser Leben und für unseren Sinn im Leben sein wird.

Die Liegestühle auf der Titanic

„Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um“ Ein Zitat des Philosophen und Autors Richard David Precht zur Digitalisierung der Arbeitswelt. In den Zeiten des Umbruches beschäftigen wir uns weiterhin mit irrelevanten Albernheiten, anstatt dem Suchen von Lösungen, um gegen die bald steigende Zahl von Arbeitslosigkeit anzukämpfen.

Bis heute sah unser ideales Bild eines Lebens recht simpel aus. Wohlgemerkt für Männer, in einer leider immer noch patriarchalen Gesellschaft. Man geht zur Schule, lernt fleißig jeden Stoff, macht seine Hausaufgaben, schreibt Bestnoten und absolviert das Gymnasium mit Auszeichnung. Weiter geht es an eine renommierte Universität, um etwas „Wichtiges“ zu studieren, beispielsweise Medizin, Jura, Mathematik oder Wirtschaft. Nach dem Studium, bestenfalls mit Promotion abgeschlossen wird sich eine lukrative und ehrwürdige Karriere in dem jeweiligen Bereich aufgebaut. Später folgen Frau, die selbstverständlich den Haushalt übernimmt, während der Mann die Brötchen verdient, 2 Kinder, die ebenfalls wie der Vater auf die besten Schulen geschickt werden und eine gewisse Anhäufung an materiellen Gütern und Prestigesymbolen. Ein teures Auto parkt vor dem noch imposanter wirkenden Haus und die Familie fliegt selbstverständlich mindestens einmal in ein fremdes Land, um dort in Luxus-Hotels den die illussionierte Überlegenheit ausleben zu können.

Während der Mann sich ausschließlich über seine Karriere definiert und die gleichen Ansprüche an seinen Sohn stellt, bleibt die Frau frustriert Zuhause mit dem fortwährenden Gedanken, was aus ihrem Leben wohl geworden wäre, hätte sie sich nicht für dieses entschieden.

Man kann das vorgeschrieben Bild im Leben noch so generalisieren, doch die Assoziation mit einem erfolgreich geführten Leben bleibt in der Gesellschaft immer die Gleiche. Durch die berufliche Karriere.

Zum Glück ist es wenigstens in den westlichen Ländern mittlerweile so, dass Frauen auch die Chance haben berufliche Karrieren zu ergreifen und die Stigmatisierung der Frau als Haushälterin von der allgemeinen Betrachtungsweise abstand genommen hat, doch das Problem der Arbeit bleibt weiterhin bestehen. Für das persönliche Wertegefühl ist nicht wichtig wie gelebt wurde oder welche Taten gut oder schlecht waren, es ist wichtig, dass die Lohnabrechnung am Ende des Monats stimmt und die Kollegen einen beneiden.

Während in der aktuellen Politik über eine Grundrente gestritten wird bleiben die wichtigen Fragen der heutigen Zeit unerwähnt. Wie können wir der kommenden massiven Steigerung an Arbeitslosigkeit entgegenwirken und den Menschen eine Bedeutung schaffen? Das große Problem dabei ist jenes, dass niemand wirklich prognostizieren kann, wie die Arbeitswelt in 20 Jahren aussehen wird. Doch es gibt eine annähernde Vermutung.

Der Einbruch der Lohnarbeit

Der normale berufliche Alltag eines „Nine-to-five-Job“ wird so wie er derzeit praktiziert wird für die Mehrheit der Menschen nicht mehr zutreffen. Da die Digitalisierung etliche Arbeitsbranchen, unter anderem so gut wie jede Dienstleistung, einfach Routinejobs in Fabriken, den Großteil aller Bürojobs und viele andere Bereiche effizienter und günstiger für Arbeitgeber gestalten kann stehen wir kurz vor einem Vulkanausbruch an Arbeitslosigkeit. Nicht umsonst prognostiziert eine Studie aus Oxford beispielsweise einen Jobverlust von bis zu 47 %.

Die Definition von Arbeit wird sich ändern und den Großteil der erwerbstätigen Menschen arbeitlose zurücklassen. Faktoren für den Wand sind unter anderem Automatisierung, Globalisierung, Digitalisierung und Dematerialisierung. Wir treten in das vierte industrielle Zeitalter ein, welches sich über künstliche Intelligenz stark definieren wird. Das McKinsey Global Institute spricht von 800 Millionen Jobs, in den nächsten Jahren weltweit wegfallen werden.

Angelehnt an die obige Zusammenfassung sind hier die Berufsbranchen, die keine Zukunft haben:

Egal ob Kassiererin in einem Supermarkt, welche durch automatisiertes Kaufen in Form von vom Kunden vorausgewählter Selektion seiner zu kaufenden Ware welches Kassierer überflüssig macht. Postboten, die durch Drohnen und der Digitalisierung aller Bereiche an Wichtigkeit verlieren. Taxi und Busfahrer, da autonomes Fahren bereits jetzt Realität ist und immer weiter entwickelt wird. Archivare von Büchern oder Karten, Versicherungsvertreter, Anlagenbediener, Packer, Bankangestellte durch den Aufschwung des Online-Bankings, Wartungsberufe, Elektroberufe, Logistikberufe und viele mehr. Man sieht wo das hinführt. Alle Berufe für unqualifiziertes Personal, monotone Arbeiten mit einem immergleichen Schema, algorithmisierbare Berufe und generell mehr oder weniger alle Berufe, die eine geringe Ausbildungszeit benötigen.

Die Faustformel der Spekulation in diesem Bereich ist die, dass ein Beruf umso geschützter ist, je mehr Spezialisierung er erfordert. Hier ist nochmal eine Auflistung von Berufen mit einem hohen Substituierbarkeitspotential. https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/studie-digitalisierung-und-arbeitsplaetze-welche-jobs-betroffen-sind/12724850-2.html

Jedoch haben andere Bereiche dadurch die Chance und den Bedarf richtig aufzublühen, so wie sie schon immer in unserer Gesellschaft und Kultur erforderlich waren und in Zukunft wichtiger als je zuvor werden.

Vor allem der soziale Bereich wird immer brisanter, blickend auf die Zukunft. Ärzte, Pflegekräfte, Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter haben eine garantierte Sicherheit im Erhalt und werden immer wichtiger und geschätzter, ergo auch besser bezahlter. Denn derzeit ist das große Problem eben das Gegenteil. Sie werden nicht geschätzt und für ihren entsprechenden Arbeitsaufwand auch viel zu gering belohnt. Das wird sich in den nächsten Jahren aus einem ganz essentiellen Grund ändern, der Persönlichkeit. Menschen sind soziale Berufe und in einer Welt voller unsozialer Algorithmen und Maschinen wird der soziale Kontakt wichtiger als je zuvor. Kinder, Jugendliche, Senioren, Kranke und Behinderte können nicht in die Obhut von Maschinen gestellt werden. Sie brauchen den sozialen Kontakt für ihren Reifeprozess im Beispiel der Kinder und generell für ihre Psyche und ihr Wohlbefinden. Menschen sind wichtige Ankerpunkte des Vertrauens, welche in einer immer undurchschaubareren Welt essentiell sein werden. Natürlich kann eine künstliche Intelligenz ausrechnen, welche Stimmlage, Wortwahl, Geschwindigkeit pädagogisch richtig ist, doch wollen wir wirklich von einem Roboter erzählt bekommen, dass ein naher Verwandter oder Freund die Operation leider nicht geschafft hat?

Das Kaspar-Hauser-Experiment beweist beispielweise, dass Neugeborene sozialen Kontakt für das Überleben benötigen. Von Friedrich dem Zweiten befehligt, wollte dieser herausfinden, welches die Ursprache der Menschen ist. Er ließ Neugeborene ihren Müttern wegnehmen und völlig isolieren. Die Ammen, die sich um die Babys kümmerten durften sie nur ernähren und das Nötigste machen, um ihre überleben zu sichern. Sie durften nicht mit ihnen sprechen und sie nicht berühren. Die Babys starben kurze Zeit später allesamt. Diese Art von Experiment wurde schon häufig durchgeführt mit dem Resultat, dass Babys und Liebe und sozialen Kontakt nicht überleben können.

Ein weiterer wichtiger Beruf wird der, der Unterhaltungsindustrie sein. Zwar ist die künstliche Intelligenz mittlerweile schon fähig Musik zu komponieren und Gemälde nach analytischem Muster zu kreieren, doch sind Musiker und Künstler seit dem Beginn der Menschheit ein Teil des Lebens und werden auch in Zukunft Lieder spinnen, und Gemälde erschaffen. So auch Moderatoren, Comedians, eben charismatische Personen denen wir Eigenschaften zu ordnen können. Menschen als Koordinationspunkt der Unterhaltung werden beständig bleiben.

Das Handwerk ist auch ein Bereich, der erhalten bleibt. In den letzten Jahren stetig an Fachkräften zurückgegangen und immer mehr in seinem Ruf in der Gesellschaft reduziert worden, ist das Handwerk mit seinen Maurern, Tischlern, Schreinern und Landschaftsgärtnern wichtig für unsere Kultur und Gesellschaft. In einer Welt, in der Automatismen Möbel herstellen werden Einzelstücke und Handarbeit geschätzt bleiben und wertvoller für die Identifikation zwischen Mensch und Möbel sein. Erschaffender Handwerke sind genauso Künstler einer anderen Gattung, die Unikate aus dem Nichts erschaffen und für Staunen und Begeisterung sorgen können. Individualität wird immer geringer, deshalb auch immer wertvoller.

Deswegen kann man relativ einfach zusammenfassen, was im Gegenzug zu vielen IT-Berufe, die ohne hin am kommen sind, wie Data Science, Data Artists, IT-Sicherheitsexperten etc. die Eigenschaften sind die wichtig bleiben. Nämlich Kreativität, Sozialität, also soziale Bindungen, soziale Hilfe, sozialer Unterricht und das eben mit Empathie, Charisma und Unterhaltungstalent und der Fähigkeit des Schaffens von Einzigartigem und Besonderem.

Während Monotonie, simple Aufgaben, Routine, öffentliche Dienstleistungen, Sortier- und Sammelaufgaben, eben all das Automatisierbare und für unsere Gesellschaft nicht von individuellem Wert. Ersetzbar.

Wandel der Gesellschaft

So erleben wir einen Wechsel. Ersetzbare Arbeiten, die offenkundig nur aus einem Grund ausgeführt werden (Geldverdienen und dadurch Überleben), werden ausgemerzt. Für Menschen persönlich wichtige Arbeiten werden bestehen bleiben. Und das ist gut so! Wir sollten das tun, was uns Spaß macht, nicht da wir müssen, weil wir wollen. Menschen gehen in der Arbeit mit Kindern auf und Erleben jedes Kinderlachen mit einem neuen Ausbruch an Glückshormonen, sind stolz auf die Fertigstellung einer glänzenden, fein geschliffenen Mahagonikommode in die Schweiß, Energie und viel Herz hineingesteckt wurde, bringen Andere gerne zum Staunen durch Zaubertricks oder faszinierende Experimente und erschaffene durch Musik und Kunst einen tiefen Ausdruck ihrer Gefühle, Erfahrungen und ihrer Seele und genießen das begeisterte Applaudieren der Massen bei jedem Vorspielen oder Zeigen aufs Neue. Niemand ist stolz auf eine weitere gelötete Platine, auf das Abwiegen zweier Bananen, das Ausliefern einer Bild-Zeitung, dem Einsortieren eines Schraubenziehers oder auf das 1000ste Umwickeln eines Bilderpuzzles mit Geschenkpapier. Andere auch leidtragende Berufe, die teilweise mit größtem Vergnügen ausgeführt werden, wie das Kennenlernen und Reden neuer Menschen zur Fahrt zum Flughafen, das nette Plaudern mit dem alten Schulfreund beim Paketausliefern oder die Unterhaltung an der Fleischtheke macht vielen Menschen sicher Spaß und sie bangen bis zum Tage ihrer Entlassung und oder ersetzt werden. Doch diese Beispiele beruhen nicht auf der Monotonie im Ausführen der Tätigkeit warum die teilweise gemocht werden, sondern auf den Kontakt mit Menschen.

Wir können also glücklich über den Wandel sein, würde er doch nicht so viele Probleme und von der Politik ignorierende Fragen mit sich bringen. Was machen die von Monotonie bestraften Niedriglöhner, wenn ihre Arbeit wegfällt, wie sollen sie weiterhin leben? Das kommende Jahrzehnt wird ganz im Licht der gesellschaftlichen Änderung stehen. Gegen die kommende Bedeutungslosigkeit, die Frage der Verwendung ihrer freien Zeit, dem Ruf der Gesellschaft bestimmter Arbeiten, das Akzeptieren von Veränderung, die Frage des Erhalts und des Einkommens, die Veränderung des Bildungssystems und weitere Fragen. Diese werden großteilig bisher von der Politik und der allgemeinen Bevölkerung gemieden, werden aber unumgänglich sein, wenn wir weiterhin in so einer, zu früheren Zeiten vergleichsweise friedlichen und gutgehenden Zeit leben wollen. Spätestens wird es auch in der Politik in den Bundestagswahlen 2021 vorkommen müssen.

In den nächsten Tagen werde ich mich mit vielen dieser Fragen beschäftigen und sie Erklären und verschiedene Lösungsmöglichkeiten darstellen. Wir schreiben heute den 23.12.2019. Das nächste Jahrzehnt wird bald anbrechen. Das Jahrzehnt des gesellschaftlichen Umbruches, des Wandels und den großen Fragen.

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